Jetzt ist er erschienen: der MSCA Postdoctoral fellowships submission guide 2026 (https://horizoneuropencpportal.eu/sites/default/files/2026-07/howtosubmit-pf-proposal.2026.pdf).

53 Seiten Anleitung und screenshots wo man als Antragsteller klicken und welche Felder man wie ausfüllen muss - und das ist nur die Ausfüll-Hilfe. Alle weiteren anzufügenden Dokumente, die Inhalte des zu beantragenden Projektes sind dort noch gar nicht adressiert. Dafür gibt es das entsprechende Handbuch zur Förderung, das aus 47 Seiten besteht (https://horizoneuropencpportal.eu/sites/default/files/2026-06/radiance_handbook_postdoctoral_fellowships_2026_0.pdf). Beides ist unglaublich hilfreich, ich empfehle es allen Wissenschaftler*innen, die sich für dieses - wirklich sehr gute - Förderprogramm interessieren.

ABER:

Wenn man alles summiert: Das Lesen der Handbücher, das Ausfüllen der Templates, das Feedback von Kolleg*innen, Forschungsreferent*innen, die Informations-Veranstaltungen, an den man sinnvollerweise teilnehmen sollte - was kommen da für jeden einzelnen Antrag für Beträge heraus? All das passiert natürlich auf gutem Grund, denn die Anforderungen sind komplex, die Kriterien anspruchsvoll und die Konkurrenz groß.

Und hier will ich nicht falsch verstanden werden: Die Arbeit an einem Antrag ist nicht nur Last. Sie zwingt dazu, die eigene Idee wirklich zu Ende zu denken – ist das Projekt machbar, welche Ressourcen braucht es, und vor allem: Was will ich damit eigentlich erreichen? Diese Fragen zwingen zur Schärfung, und das ist gut so und braucht Energie und Zeit. Feedback-Schleifen gehören zu jeder guten Weiterentwicklung dazu – ein Antrag, den niemand hinterfragt, wird selten besser. Und dass am Ende (mehrere) Wissenschaftler*innen begutachten, wessen Idee gefördert wird, ist und bleibt zentral. Daran möchte ich nicht rütteln. Was mich trotzdem umtreibt: Die Kosten der Antragstellung – an Zeit, an Energie, an Nerven – müssen in einem vernünftigen Verhältnis zu den Mitteln stehen, die am Ende tatsächlich ausgeschüttet werden. Wenn der Aufwand für einen Antrag in keinem Verhältnis mehr zur Fördersumme steht, dann stimmt etwas an der Statik nicht – unabhängig davon, wie gut der Antrag am Ende begründet ist.

Ich glaube, dass an mehreren Stellschrauben gleichzeitig gedreht werden müsste:

Erstens die Antragstellung selbst vereinfachen und auf das Wesentliche konzentrieren – die Forschungsidee und das Projekt. Alles, was darüber hinausgeht, gehört auf den Prüfstand.

Zweitens die Begutachtung überdenken: eine Kombination aus fundierter Expert*innenbegutachtung und einem Losverfahren könnte helfen – gerade dort, wo mehrere exzellente Anträge ohnehin kaum noch zu unterscheiden sind.

Natürlich gilt das nicht nur für die vielgescholtene EU, sondern auch in de rnationalen Forschungsförderung. Statt immer mehr Erklärungen, Stellungnahmen, Detailinformationen wünsche ich mir mehr Freiheit und Eigenverantwortung für die Forschenden und Mut auf Seiten der Förderer.

(BIld mit KI erstellt)